05.08.2014 Kurze Wege gibt es hier nicht

Nach meinem entspannten Tag, entschied ich mich noch eine Runde um den Block zu gehen und ein paar nahegelegene Hochhäuser anzuschauen. Eine Runde um den Block dauert ca. 30 Minuten! Entfernungen haben hier definitiv keine Relationen!

Auf meinem Weg fiel mir auf, dass die meisten Autos am Straßenrand schön und gepflegt, ohne Dellen sind. Kaum vorstellbar bei diesen Verkehrsbedingungen. Autos zählen hier wirklich als absolutes Statussymbol.

Weiterhin war ich immer noch überrascht, was man für niveauvolle Büros auf 8 qm² quetschen konnte. Es gibt hier alles im Miniformat. Dann endlich fand ich, wonach ich schon die ganze Zeit Ausschau hielt: einen großen Supermarkt! … Naja.. eigentlich habe ich nur das Schild „Wu Market“ gesehen und mich dann durch einen kleinen Hauseingang, eine unseriöse Rolltreppe hinunter begeben. Aber ich hatte Glück, ich war da genau richtig! Im Untergeschoss bin ich allerdings etwas voreilig abgebogen und in einem kleinen Haushaltswarenladen gelandet. Die Chinesin dort wollte mir unbedingt Hello Kitti Schnulli verkaufen. Mir fiel absolut nichts Chinesisches ein, womit ich das abwimmeln konnte. Daher sagte ich einfach nichts und lächelte viel :D Danach schaffte ich es in den richtigen Supermarkt. Dort gab es alles Mögliche! Ich habe Sandwichkäsescheiben, Wurst, Cornflakes, Kekse, chinesische Fruchtzwerge mit Mickey-Mouse und die besagte „Fettarme H-Milch“ gefunden. Ich muss also nicht verhungern. Yuhu! Interessant war, dass aller 5 Meter ein Ladenmitarbeiter platziert war. Die mussten die Regale wieder perfektioniere, nett sein und vor allem doof gucken.

Apropos… hier habe ich auch den ersten getroffen, der mit offenem Mund vor mir stehen geblieben ist :D

Heimwärts war es dann schon dunkel. Vor einigen Hochhäusern lief laute Musik und ein paar mittelalte Chinesen tanzten klassischen Paartanz dazu. Sehr cool :)

Nachts hat dann der Jetlag und das lange Ausschlafen ein Einschlafen vor 3 Uhr verhindert. Super geil.

 

Noch kurz zwei andere Themen:

  1. Sicherheit: Also es braucht sich hier keiner Sorgen machen, dass mir irgendwas passiert, weil wirklich an jeder Ecke ein Polizist steht. Vor jedem Parkplatz, vor jedem öffentlichen Gebäude, in jeder Unterführung. Krasser Job!
  2. Hygiene: Bisher musste ich mich noch nicht wirklich ekeln. Gut es ist hier nicht pikobello sauber, aber bis auf einen orangenen Hefter, der mit schwarzen Handabdrücken übersäht war, find ich es bisher echt ok. Die Chinesen spucken zwar auf die Straße und holen den Schleim aus der letzten Ecke, aber es hält sich noch in Grenzen. Prinzipiell sind die auch alle sehr hübsch angezogen.

 

06.08.2014 Blauer Himmel, Bier und Schnitzel

Um 8 klingelte der Wecker. Wieder unterschätze ich die Entfernung bis zur Schule und dachte ich würde voll zeitig ankommen, wenn ich 30 Minuten eher von meiner Wohnung starte. Pustekuchen. Ich kam auf die Minute pünktlich. Sehr Deutsch von mir :D Da ich irgendwie verunsichert bin, bin ich auch eine Bushaltestelle eher ausgestiegen…. Öhm ja….. wie gesagt, Entfernungen haben hier keine Relationen. Und dazu war noch blauer Himmel, strahlende Sonne und 32°C. …. Wir Schwitzen.

Kurz vor 10 wurde ich dann von der Praktikumsbetreuerin Mrs. Hak (die kommt übrigens aus den Niederlanden, Mutti^^) zu meiner Firma Vandergeeten gleich nebenan begleitet. Übelst edles Hochhaus, leider nur 7. Etage. Der Kanadier Ray, der mich eingestellt hat und vom Aussehen auch eigentlich Chinese ist, erklärte mir was so ab geht. Es werden Schokolade, Kekse und Bier verkauft, aus verschiedenen Ländern, vorwiegend in Supermärkten. Bier natürlich auch auf Events und in einigen Bars.

Das Büro war recht klein und erweckte den Anschein, dass es Chinesen sehr kuschelig an ihren Arbeitsplätzen mögen. Der einzige nicht Chinese ist der Boss, ein Belgier, der fließend Englisch, Französisch und Chinesisch spricht. Und noch eine französische Chinesin. OMG :D Ansonsten das Marketingbüro aus ca. 20 Chinesen. Mir wurden leider nicht alle vorgestellt. Die haben sich aber auch eher weniger dafür interessiert wer ich bin. Naja. Bis Anfang September gibt es einen britischen Hipster-Praktikant (Prajesh – genannt PJ) mit indischen Wurzeln, mit dem ich zusammenarbeite. Klingt komisch, ist aber ein sehr cooler und lustiger Typ. Bis Freitag haben wir noch den Indonesier Denny. Beide Typen sind erst 20! Wow ich bin mal nicht die Jüngste! Und PJ war auch schon oft und lange überall auf der Welt. Sehr verrückt.

Zum Mittag ging ich mit PJ und Ray in ein Deutsches Restaurant gleich um die Ecke J Da gab es zwar keine Deutschen, aber immerhin deutsches Essen und deutsche Texte im Menü. Die zwei nahmen Bratwürste mit Sauerkraut und Bratkartoffeln – die aber als Kartoffelbrei serviert wurden :D und ich gönnte mir Wienerschnitzel. Auf Deutsch bestellen verunsicherte den Chinesischen Kellner. Da werde ich wohl mal zur Nachhilfe hingehen müssen, kann ja wohl nicht sein!

Zurück im Büro meinte Ray „Google, Facebook und Youtube sind verboten, am besten du bringst deinen Laptop mit, damit du alles nutzen kannst“ öhm… klingt ja nach ner super Arbeitsmoral! Ich musste mich dann tatsächlich den halben Tag mit dem langsamen Internet mit verbotenen Seiten rumschlagen. Ein Grauen! Übrigens hätte ich mir verbotene Internetseiten ja etwas spektakulärer vorgestellt… so mit roter Schrift und einem Bild von Mao und etwas gefährlichen…. Aber da steht einfach nur „This page cannot be displayed“.

Übrigens, Warsteiner schmeckt laut unsere Broschüre „perfekt zu typisch deutschen Gerichten wie Schweinehaxen, traditionellem Reis, Pretzeln (ja mit P) und Nachos.“ …. Ja genau! Und was mich auch mega gewundert hat: Jedes Bier wurde damit beworben, dass man es zu Käse trinken kann. Aber ich denk die Chinesen vertragen keine Milch bzw. Laktose und finden Käse eklig, weil es vergorene Milch ist? Ray sagte das ist nicht so, aber der Sache muss ich nochmal auf den Grund gehen. Unnnd die Chinesen, die ja eigentlich wenig Alkohol vertragen, süffeln mal 8-11%iges Bier aus merkwürdigen Weingläsern. 11%? Alter! Radler gibt’s auch nicht. Die brauchen mal eine Bierkultur… das geht garnicht.

Erste richtige Aufgabe: mit PJ in die umliegenden Bars gehen und schauen wer eine Sorte Bier, die wir anbieten, verkauft. Also Erstens sollten wir doch wissen, an wen wir aktuell im Umkreis das Bier verkaufen und zweiten war das mehr Marktspionage als Marktforschung. Rein in die Bar „Ich will die Karte sehen“ „haben sie auch Bier?“ „Danke“ und dann unauffällig *hust* draußen noch den Namen der Bar abtippen. Nunja, bei 32°C nicht so toll, aber lustig.

Wieder auf Arbeit angekommen meinte PJ „I have to take a nap“ und legte sich eiskalt auf den Tisch und schlief ein =-O  … also anscheinend ist es sehr relaxed dort. Es hieß auch ich kann mir immer mal frei nehmen. Die Aufgaben an sich beruhen eh meistens auf Eigenarbeit. Ich hoffe es wird nicht so langweilig.

AAAAber ich soll mit Anweisung vom Chef, alle Biersorten einprägen und auch alle kosten… und am besten noch in viele Bars gehen. Und ich kann mir nach der Arbeit immer ein Bier als dem Kühlschrank holen. Zweite Aufgabe also: Vollsuff!

Dann erfuhr ich noch, dass ich morgen Abend auf einer Party nach der Arbeit (Arbeit von 9-18 Uhr, 1,5h Mittagspause, Party von 19- 24 Uhr) Bier servieren sollte. An sich cool, aber da muss ich mir mal ein paar Sätze zurechtlegen. Und wenn ich dann am nächsten Tag wieder um 9 auf Arbeit sein muss, ist das echt hart! Dafür muss ich dann auch meinen zweiten Sprachkurs sausen lassen. Naja.

Zwischen Arbeit und Schule stellte sich wieder diese vernichtende Frage was ich essen sollte. Subway gibt’s zwar, aber da muss ich erstmal alle Gemüse und so in Chinesisch lernen :D Al Abendessen kam mir eine Croissant-Verkäuferin gerade recht.

 

Sprachkurs, das ist dann das letzte Thema für heute:
Von 18.30 Uhr bis 20.45 Uhr hieß es dann Chinesisch für Anfänger, obwohl ich eh schon total fertig war (vielleicht weil ich nicht einfach so während der Arbeitszeit gepennt hab). Der Kurs besteht aus einem Spanier, einem ca. 40 jährigen Italiener und einem nicht Anwesend gewesenem Franzose. Die Lehrerin ist sehr jung, völlig aufgedreht und nur am Lachen. Aber süss und sehr nett. Der Italiener war anscheinend neu, also fingen wir mit „Hallo wie geht’s dir“ an. Kamen dann aber recht schnell in Fahrt und bildeten wichtige Sätze. Alles in allem bin ich den beiden schon ziemlich weit voraus. Vor allem im Schreiben. Naja, lieber etwas einfacher Anfangen, als zu schwer.

 

21.30 Uhr war ich dann endlich wieder daheim. Duschen, Facebook, Blog schreiben. Mitternacht. Aufräumen. Gute Nacht!